
Here we are!
Im Inneren des Chamäleons beginnen nun die Startvorbereitungen. F. zückt eine Fernbedienung und das
Farbdisplay des Satellitennavigationssystems fährt aus. Die Flugdaten werden programmiert: GEISENFELD.
Pension Meier. Das System berechnet in Windeseile die Flugzeit mit 2 Stunden 48 Minuten. F. ist sich sicher,
dass die Zeit deutlich unterboten werden kann. Das System sei noch neu und auf ‚normale' Geschwindigkeiten
eingestellt. Seine weiteren Worte gehen im Getöse des startenden Motors unter. Die mittlerweile wieder
zurückgekehrten Tauben machen sich aufgeschreckt davon. F. legt den ersten Gang ein. Dreimal Zwischengas.
Abflug.
Im ersten Gang pfeift der Wagen durch die engen Gassen des Stadtgrabens, vorbei am Hallenbad.
Das Navigationsgerät sortiert seine Karten und die synthetische weibliche Stimme gibt erste Anweisungen,
die jedoch noch nicht zu verstehen sind, da der Wagen immer noch im ersten Gang fährt. F. schält hoch.
Die Fahrt geht vorbei am Wirtshaus zum Trödler. Die synthetische Stimme meldet ‚in 50m geradeaus'. F. haut
den Blinker rein und biegt links ab in die Bitzer Steige. Kurze Diskussion über die vorgeschlagene Streckenführung.
Das Navigationsgerät versucht, die Strecke neu zu berechnen. In der scharfen Rechtskurve Höhe Bogenstraße
bricht der Wagen hinten leicht aus. Die Änderungen am Differenzialantrieb lassen grüßen. Der Wagen nähert
sich nun dem Ortsschild. F. spielt nervös am Ganghebel. Die synthetische Stimme meldet ‚in 30m rechts abbiegen'.
F. fährt weiter geradeaus. Dann ist es soweit. Zurückschalten. Gasgeben. M. und T. drückt es tief in die Sitze.
Durch die Fliegkräfte in der lang gezogenen Linkskurve drückt es T. das Ohr an der Scheibe platt. Der Rücken
beginnt wieder zu schmerzen. Die harten Stoßdämpfer zeigen erste Wirkung. Das Navigationsgerät versucht wieder,
die Strecke neu zu berechnen. F. weist auf einige technische Raffinessen und Umbauten hin und drückt zwischen
zwei Schaltvorgängen auf einen Knopf der Fernbedienung. Der DVD-Player übernimmt die Kontrolle des Displays und
beginnt einen Film abzuspielen.
Normalerweise DOLBY-SURROUND. Doch leider sind aufgrund eines technischen Problems
bei den letzten Umbaumaßnahmen die hinteren Lautsprecher und die Verstärkeranlage nicht in Betrieb. M. starrt
gebannt auf das Display. Der sonst sonnengebräunte Typ wieder langsam immer bleicher im Gesicht. Ein Handy klingelt.
Yvonne, die Freundin von M. will sich nach dem Stand der Dinge erkundigen, doch in diesem Moment schält F. zurück
und ohrenbetäubender Lärm des Sechszylinders macht eine Kommunikation unmöglich. Kurz darauf bringt die Verbindung
ab. Der Wagen fliegt in der Abenddämmerung über Bitz, Zwiefalten, Ehingen nach Ulm und endlich nähert sich die
lang ersehnte A8. Der Wagen bahnt sich gleich nach der Auffahrt seinen Weg auf die linke Fahrbahn. F. schält die
Nebelscheinwerfer ein. Der Verkehr lässt eine richtige Entfaltung der über 300 Pferdchen nicht zu, so dass F.
gezwungen ist, ständig zu bremsen, zu schalten und zu beschleunigen. M. wird immer bleicher im Gesicht. Ein Blick
auf den Tachometer: 160, 180, 200, 140, 180, 210, 220, 160, 70, 150, 220, 250, 260. Die Zahlen verschwimmen durch
die starken Vibrationen. Erneut das Handy. F. schält. Keine Kommunikation möglich. In der Ferne das goldene M.
Abfahrt. 200, 150, 60, 0.
Dreimal Zwischengas. Stille. Auf dem Parkplatz des McDonalds angelangt. Versucht M.,
auszusteigen. Er muss sich am Wagendach festhalten. T. quält sich vom Hintersitz nach draußen. Die Drei bleiben
noch einige Minuten an der frischen Luft stehen. Ständig die Ungewissheit, ob M. den Inhalt seines Magens dem
Pflasterbelag zuführt. Dann kurzer Imbiss. Und weiter nach GEISENFELD. M. wieder bleicher und bleicher. Das
Navigationsgerät kündigt die letzten Meter an. Dann die Pension. Komplett dunkel. F. parkt ein. Vor. Zurück.
Schalten. Zwischengas. Das Doppelofenrohr zeigt Wirkung. Oben öffnet sich ein Fenster. Ein Mann im Pyjama schaut Der Mann wiegelt ab, kommt
herunter und öffnet. GEISENFELD, here we are!
(to be continued)
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